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Beringer – eine amerikanisch-deutsche Karriere

Beringer – eine amerikanisch-deutsche Karriere
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Das kalifornische Weingut zählt zu den renommiertesten Betrieben in den USA. Vor allem mit hochkarätigen Rebsortenweinen hat sich das Gut in der internationalen Topliga festgesetzt.

Das nennt man Intuition. Im Jahre 1868 zog es Jacob Beringer von Mainz aus nach Amerika, um dort von Grund auf ein neues Leben zu starten. Zwei Jahre später entdeckten er und sein Bruder Friedrich das Napa Valley und dessen nahezu perfekten geologischen und mikroklimatischen Bedingungen für den Weinanbau.

„Wein entsteht nicht nur durch Wissenschaft“ (Laurie Hook)

1875 erwarben sie dann in St. Helena ein 87 Hektar grosses Grundstück und gründeten ein Jahr später ihr erstes Weingut. 1884 liessen sie dann das heutige Wahrzeichen des Betriebes, das Rhine-House, errichten, im Stile ihres deutschen Geburtshauses. Das Gebäude wurde 2001 sogar unter Denkmalschutz gestellt.

Eine Weinkarriere

Nun, wie die ersten Weine der Brüder schmeckten, ist nicht genau überliefert. Aber es müssen zumindest für diese Zeit sehr ansprechende Gewächse gewesen sein. Denn im Laufe der Zeit vergrösserten die Beringers ihre Rebflächen und hinterliessen auch bei den Behörden einen nachhaltigen positiven Eindruck. Selbst während der restriktiven Prohibitionszeit erhielten Jacob und Friedrich im Jahr 1918 eine Sondergenehmigung der Regierung für die Produktion von Altarweinen.

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Am Ruf des Weingutes hat sich bis heute nicht viel geändert. Der Name Beringer steht in der internationalen Weinwelt seit langem für eine hohe Qualität. Die Einstiegsweine der Classic-Linie bieten ein unkompliziertes Trinkvergnügen und haben den Markt der Alltagsweine nicht nur in den Staaten erobert.

Bekannt wurde Beringer aber durch Weine der höheren Qualitätsstufen. Viele dieser Gewächse sind preisgekrönt. Die US-Weinzeitschrift Wine Spectator hat mehrfach Beringer-Gewächse zum Wein des Jahres gekürt und kein kalifornisches Gut hat von Parker mehr 90-plus-Bewertungen für seine Weine erhalten.

Starkes Engagement

Der Private Reserve Cabernet Sauvignon ist noch heute das Aushängeschild des Hauses
Der Private Reserve Cabernet Sauvignon ist noch heute das Aushängeschild des Hauses

Das kommt natürlich nicht von ungefähr. Bei Beringer wird traditionelles Weinwissen und die Erfahrung von rund 140 Jahren nie vernachlässigt, aber auch nicht überbewertet. Der Betrieb mit aktuell ein paar Hundert Beschäftigten hat daher eine eigene Forschungsabteilung und investiert regelmässig in neueste Technologien. Dazu wurde eine hauseigene Küferei für die Herstellung der Holzfässer gegründet.

Eine der Grundlagen für die Qualitäten der Beringer Weine ist die genaue Kenntnis der einzelnen Weinberge. Jeder einzelne Weinberg wurde vor dem Erwerb genau analysiert, um das Potential zu erkennen und die für diesen Weinberg passenden Rebsorten zu ermitteln.

Ein Glücksfall für Beringer war dazu der Einstieg des genialen Winemakers Ed Sbragia im Jahre 1976. Er kreierte unter anderem die Private Reserve-Weine und der Private Reserve Cabernet Sauvignon ist noch heute das Top-Aushängeschild des Hauses.

Zusammen mit seinem Kollegen Bob Steinhauer war Ed Sbragia lange Zeit der Qualitätstaktgeber. „Wir geben alles, um unseren Weinen zu grösstmöglicher Balance, Konzentration und Komplexität zu verhelfen, um die perfekte Synergie in jedem Glas zu schaffen“, lautete sein Credo.

Weibliche Hand

Das gelang ihm, ebenso wie seiner Nachfolgerin Laurie Hook, die heute das Beste aus den mittlerweile über 1.200 Hektar Rebflächen herausholt. Sie legt Wert darauf, die Arbeit im Weinberg und im Keller nicht getrennt, sondern als ganzheitliche Aufgabe zu sehen.

„Wein entsteht nicht nur durch Wissenschaft“, so Laurie Hook. „So entstanden in den vergangenen Jahren hier in Kalifornien sehr saubere, aber auch sehr langweilige Weine. Natürlich braucht man das Fachwissen, aber es gehört auch eine grosse Portion Intuition dazu.“ Die hat sie, ganz zweifellos.

Beim Weisswein setzt sie vor allem auf exotisch-fruchtigen Chardonnay als perfekten Essenbegleiter und Wein für zwischendurch. Bei den Rotweinen favorisiert sie Frucht, Komplexität und harmonisch eingebundene Tannine.

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Und, damit kommen wir wieder zum Anfang, als ältestes durchgängig erzeugendes Weingut im Napa Valley wurde Beringer im Jahre 2001 in das Nationalregister für Historische Orte, der offiziellen Kulturdenkmalliste der amerikanischen Regierung, aufgenommen. Eine deutsch-amerikanische Karriere, die noch hoffentlich lange anhalten wird.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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