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Das Jura – Ein Schuss Anachronismus zum Comté

Das Jura – Ein Schuss Anachronismus zum Comté
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Der Weinbau im französischen Jura ist schwer verständlich und kaum mit der Moderne kompatibel. Doch trotz merkwürdiger Herkunftsbezeichnungen, extremer Anforderungen und eigenwilliger Weinbezeichnungen haben sich die Winzer aus Arbois oder Château-Chalon eine Marktnische erkämpft. Auch weil die Weine der Region so ausgezeichnet mit den hier üblicherweise gekochten Speisen harmonieren.

Das Rezept für Vin de Paille ist ganz einfach. Man nehme gesunde Trauben, lagere sie ein paar Wochen oder Monate auf Stroh und achte nur ja darauf, dass sie nicht zu faulen oder zu schimmeln anfangen. Das fertige Produkt schenke man dann als Begleitung von Kuchen oder anderen Patisserie-Kreationen aus und freue sich daran, dass man sich die Rarität zu bewahren gewusst hat.

Auf einen Blick: 10 Winzer des französischen Jura

Anders als in Deutschland, wo der Strohwein mit dem Jahrgang 1971 verschwunden und erst vor wenigen Jahren wieder, unter strengen Auflagen und ausnahmsweise, in die Weinszene zurückgekehrt ist.

Alte Tradition

Strenge Auflagen haben sie auch, die Winzer von Arbois und Château-Chalon und aus den vielen kleinen Dörfern des französischen Jura. Die Welt hatte sie fast vergessen, so abseits lagen die Weinberge hier, weitab der Durchgangsstrassen.

Vor 20 Jahren bekam man die weissen Arboisweine aus Chardonnay und Savagnin, die roten Sorten Poulsard und Trousseau für wenig Geld, auch der Strohwein war wohlfeil. In der internationalen Spitzengastronomie dachte noch um die Jahrtausendwende niemand daran, so was auszuschenken, auch in Paris war allenfalls der Vin Jaune bekannt.

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Jener gelbe Wein, der noch vor dem Vin de Paille als bekannteste flüssige Spezialität des Anbaugebietes gilt. Mit ihm kann man geniale Saucen hinzaubern, kann ihn auf perfekte Weise mit Morcheln und Geflügel kombinieren. Der Gelbwein nimmt nämlich sehr eigenwillige Geruchs- und Geschmacknuancen an, wirkt ein bisschen hefig, erinnert mehr an trockenen Sherry als an normalen Weisswein. Und lässt auch keinen vermuten, dass der Most jener Rebe drin ist, die anderswo Traminer heisst oder, in ihrer würzigeren Variante, als Gewürztraminer bekannt ist.

Mindestens fünf Jahre muss der Vin Jaune im nicht ganz gefüllten Fass verbringen, was eine Hefeschicht entstehen lässt und den vergleichsweise hohen Preis erklärt. Wer bei einem guten Erzeuger einkauft, muss schon 40 oder mehr Euro bezahlen, um einer 0,62 Liter fassenden Spezialflasche teilhaftig zu werden.

Nicht viel, wenn man an die Preisverhältnisse anderer Weinbaugebiete Frankreichs denkt. Juraweine sind immer noch günstig, auch wenn die Liebhaber inzwischen ihren waren Wert erkannt haben.

Neue Ideen, geniale Kombinationen

Arbois im französischen Jura
Arbois im französischen Jura

Bei den gefragtesten Winzern darf man also nicht darauf vertrauen, immer etwas abzubekommen. In den Weinbars von Paris, New York und Berlin gilt der Vin du Jura inzwischen als cool. Spezialisten wie Jacques Puffeney, der seine Weinberge inzwischen an die Domaine du Pélican abgegeben hat, oder Pierre Overnoy mussten sich in letzter Zeit kaum uns Marketing kümmern. Vor allem Letzterer, im von guten Winzern nur so überquellenden Weindorf Pupillin zu Hause, gibt am liebsten an Stammkunden ab und denkt nicht daran, sich Neuheiten wie eine Website einzurichten.

Wer mit leeren Händen von dannen zieht, kann in der einheimischen Gastronomie fündig werden. Starkoch Jean-Paul Jeunet und sein Sommelier Alain Guillou, die im besten Restaurant von Arbois für die Betreuung der Kunden zuständig sind, haben rechtzeitig Raritäten eingekellert. Und Les Jardins de Saint-Vincent, ein Weinhandel mit angeschlossener Bar, führt auch Älteres, das man anderswo vergeblich sucht. Traditionelles von Camille Loye oder Weine der modernen Jura-Winzer.

Stéphane Tissot und einige seiner jungen Kollegen bauen manche Weissweine schlanker und fruchtiger aus als früher üblich, vermeiden den hefigen Sherry-Touch und versuchen auch beim Gelbwein den Terroir-Charakter herauszuarbeiten. Nicht ganz so modern, aber dynamisch ist Julien Mareschal, der in der Domaine de la Borde Bio-Wine mit eigenem Charakter keltert. Sein Savagnin vibriert, der Süsswein Gélees de Novembre gilt als Ultra-Kuriosität.

Doch egal, ob es die reifen Trousseaus sind, die eher hellroten, fruchtig-würzigen Rotweine, oder die Macvins, die süssen Apéro-Spezialitäten aus Traubensaft und Marc du Jura: Die hiesigen Weine sind wie gemacht, um zum Essen serviert zu werden.

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Reifer Comté ist unübertrefflich zu einem Vin Jaune, Schnecken und Froschschenkel gelten als Klassiker zum etwas kürzer ausgebauten Savagnin, und zu Pasta mit Trüffeln und Sahnesauce gibt es weltweit nichts Besseres als einen grossen Chardonnay à la Jura. Und was den Vin de Paille angeht: Die Patisserie von Arbois ist seit Jahrzehnten legendär.

10 Winzer des französischen Jura, die man sich merken sollte

Domaine Jacques Tissot, www.domaine-jacques-tissot.fr

Domaine Stephane Tissot, www.stephane-tissot.com

Domaine Désiré Petit, www.desirepetit.com

Domaine de la Borde, www.domaine-de-la-borde.fr

Domaine Paul Benoit, www.paulbenoitetfils-pupillin.com

Domaine Pierre Overnoy, Pupillin

Domaine de la Pinte, www.lapinte.fr

Domaine Labet, [email protected]

Camille Loye, Arbois (ausschliesslich Raritäten von früher)

Domaine du Pélican, www.domainedangerville.fr

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

Kommentare

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Angelika Vogelmann

Ich finde die Jura Weine wunderbar.
Nun habe ich vor etwa 25 Jahren 2 Fl. gelben Wein gekauft.
Mit welcher Temperatur wird gelber Wein getrunken?
wird dekandiert,und wenn wie lange?
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!

Mit freundlichen Güssen
Angelika Vogelmann

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